 |
Briefmarken - Kritik an Ausgabenpolitik der Deutschen Post
(9.2004, Sandhausen, Sabine Geschwill) Sabine Geschwill, Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ), besuchte den Großtauschtag in Sandhausen und sprach mit dem Vorstand des Briefmarken- und Münzentauschring Sandhausen e. V. Joachim Claus und dem Leiter derBriefmarkenfreunde Rhein-Neckar bzw. Junge Sammler Sandhausen-Weingarten (JSS), Thomas Hartmann
Briefmarken der letzten 150 Jahre, Münzen, die sich zurück in die Zeit vor Christus datieren
lassen, eine Vielzahl an echt gelaufenen Briefen, Post- und Ansichtskarten und eine große
Werbeschau - das alles bot der große Briefmarken- und Münzen-Großtauschtag des Briefmarken-
und Münzentauschring BMTs Sandhausen allen Sammlern und Besuchern. Seit 1979 veranstaltet der
Club den Großtauschtag in der Festhalle, informierte Vorsitzender Joachim Claus als
Organisator. In den letzten Jahren werde er sogar zweimal im Jahr und in Zusammenarbeit mit
dem amerikanischen Coin and Stamp Club Heidelberg und dessen Vorsitzenden Igor Huryk
veranstaltet. Bis zu 300 Sammlerfreunde hatten sich den Tag über in der Halle eingefunden,
um zu tauschen und um neue Objekte für ihre Sammlungen zu ergattern.
Jedem sein liebstes Sammelgebiet
"Da hat jeder sein ganz besonderes Sammelgebiet", informierte Claus. Bei den echt
gelaufenen Briefen und Postkarten unterteilten sich die Sammelbereiche in verschiedene
Portostufen und Zeiträume, Motive und Werbestempel.
Deutsche Orts-Stempel immer rarer
Durch die großen Briefzentren und Sortieranlagen mit ihren anonymen Stempeln, bei denen
Zahlen die Brief verteilstation angeben, werde es heute immer schwieriger, Briefe mit einem
Motiv- oder Städtenamenstempel zu bekommen.
Noch im Banne des Euro-Währungswechsels
Bei den Münzen seien Euro-Startersets und Jahrgangsmünzkassetten der verschiedenen
Teilnehmerländer gefragt. Hoch im Kurs stünden die Euros aus San Marino und
dem Vatikan, wusste Joachim Claus. Für einen Münzsatz müsse man derzeit rund 800
Euro berappen. Ein Geschäft machen könne jeder, der noch alte D-Mark-Scheine besitze. "Sie
können übernominal getauscht werden, weil fast jeder bei der Einführung des seine
D-Mark-Scheine umgetauscht und allenfalls das Münzgeld zur Erinnerung aufgehoben hat",
erklärte Claus. Für einen gut erhaltenen 20-Mark-Schein bekäme man heute rund 15
geboten.
Sorgenkind 'Deutsche Briefmarke' - Jugend hier in Nöten
Im Bereich der Philatelie sei die Sammeleuphorie insbesondere bei der Jugend nicht
mehr so stark ausgeprägt wie früher, so Thomas Hartmann. "Das Briefmarkensammeln wird für
die Jugend heute zu teuer." Hartmann machte dies an der hohen Ausschüttung an Erstausgaben
pro Jahr durch die Post fest. Zudem zeigten sich die Motive wenig ansprechend, so der
Jugendvertreter "Das macht die Philatelie kaputt." Gerade Neuerscheinungen sollten durch
pfiffige Motive auffallen und ansprechen und für die Jugend erschwinglich bleiben.
Künstlerisch abgewandelte Sportmotive beispielsweise seien weniger gefragt als realistische,
erklärte Claus hierzu. Zudem seien viele der auf den Marken verewigten Persönlichkeiten
jüngeren wie älteren Sammlern völlig unbekannt. Wenn erst ein Lexikon Aufschluss über die
abgebildete Person bringe, fehlten jegliche Identifikation mit dem Motiv und die
Sammelmotivation, erklärte Claus in Übereinstimmung mit Hartmann.
Früher seien unter den wenigen gesuchten Ausgaben die Länderserie mit den verschiedenen Landeswappen und Umrissen des entsprechenden Landes bei Sammlern jeden Alters begehrt gewesen.
Bild: Fünf der begehrten 'Länder-Marken'
An diesem Beispiel gelte es, anzuknüpfen und bei den Neuausgaben auch die Wünsche der Sammler zu berücksichtigen.
Nachwuchs im Mittelpunkt
Selbstverständlich war beim Großtauschtag auch die Sandhäuser Philatelie-Jugend
mit ihrem Leiter Thomas Hartmann mit einem Stand vertreten. Zeitgleich mit dem
Großtauschtag trafen sich Gruppenleiter und der Vorstand des Landesring Süd-West e. V. (Jugendverband) in Sandhausen
zum Regionaltreffen, um unter der Leitung von Regionalvertreter Alfred Nohe Erfahrungen und Information
auszutauschen.
|